Freischwinger

10. August 2012

Der Freischwinger ist ein Stuhl, dem die Hinterbeine fehlen, sodass die Sitzfläche leicht nach hinten absinkt und federnd nachgibt, wenn sich eine Person auf dieses auch als Schwingstuhl bekannte Sitzmöbel setzt.

Das Konzept des elastischen Stuhls stammt von dem Bauhausarchitekten Mies van der Rohe, der ein ähnliches Stuhlmodell weiterentwickelte, das auf Ideen den Architekten Mart Stam zurückgeht, allerdings eben diese Elastizität nicht aufweist: Stams Überhangstuhl – auch als Kragstuhl bezeichnet – weist ein starre Konstruktion auf. Der Freischwinger ist also letztlich eine elastische Variante des starren Kragstuhls. Die Elastizität des Schwingstuhls wurde in den Folgejahren u.a. von Marcel Breuer immer weiter verbessert.

Aber nicht nur Stühle, sondern auch Liegen, Sofas, Hocker und Sessel werden heutzutage als Freischwinger konzipiert. Der Schwingstuhl ist ein beeindruckendes Beispiel für modernes Möbeldesign, das schon beinahe 80 Jahre alt ist: Der Stuhl wurde bereits Mitte der 1920er Jahre entwickelt, findet sich aber bis heute im zeitlosen Design vor allem im öffentlichen Raum.

Traditionell verfügt der Freischwingerstuhl über einen tragenden Rahmen, das aus einem einzigen gebogenen Stahlrohr besteht. Dieses Stahlrohr ist in Schlittenform gebogen, d.h. die Vorderbeine knicken nach jeweils oben und unten nach hinten weg. Am Boden verläuft der Rahmen als Standfläche des Stuhls wie Schlittenkufen bis zum hinteren Rand des Sitzmöbels. Oben verlaufen die beiden Enden des Stahlrohrs parallel zu den Kufen und bilden die Auflage für die Sitzfläche. Üblicherweise biegt der Stuhlrahmen am hinteren Ende der Sitzfläche abermals nach oben ab, sodass man an ihm die Rückenlehne befestigen kann. Häufig laufen die Rohre schließlich in den Armlehnen des Stuhls aus. Die gesamte Stuhlkonstruktion erscheint daher in Form eines „ S “.

Bei vielen Varianten des Freischwingers sind Sitzflächen und Sitzpolster sowie die Rückenlehne in den Stuhlrahmen eingehängt oder eingespannt. Es können aber auch ganze gepolsterte Sesselelemente auf den Rahmen geschraubt werden. Als Materialien kommen daher Korbgeflecht, Formschichtholz und ausgeformte Plastik, ebenso wie atmungsaktiver Netzstoff, Kunstleder oder Echtleder in Frage.
Neuartige Schwingstuhl-Modelle aus Kunststoff kommen sogar ohne Metallrahmen aus: Bei ihnen sind Fuß, Beine, Sitzfläche und Rückenlehne in Form einer einzigen zusammenhängenden Kunststoffplatte gegossen.

Aber auch wenn der Freischwinger über keine Hinterbeine verfügt, zeichnet er sich dennoch durch eine hohe Stabilität und Standfestigkeit aus. Das Geheimnis dafür steckt in der Konstruktion: Die Gewichtskraft, welche die sitzende Person auf den Stuhl ausübt, wird über die Spannung in den Vorderbeinen auf die Schlittenkufen des Stuhls umgeleitet. Diese Kufen erstrecken sich bis zum hinteren Stuhlende und bilden daher eine weite Auflagefläche des Stuhls, sodass ein Umkippen dieses bequemen Sitzmöbels nach hinten verhindert wird.

Aufgrund ihrer Elastizität geben die Vorderbeine des Freischwingerstuhls nach und senken sich leicht nach hinten ab, wenn sich jemand auf den Schwingstuhl setzt. Dies macht das Sitzen sehr bequem, denn ein angenehmes Schaukeln ist möglich, und der Stuhl reagiert federnd auf die Bewegungen des auf ihm Sitzenden.

Freischwinger werden im öffentlichen Raum häufig als Wartezimmerstühle in Arztpraxen, im Krankenhaus oder bei Ämtern und Behörden verwendet. Aber auch als Konferenzstühle im Besprechungsraum großer Firmen sind sie sehr beliebt, ebenso wie als Chefsessel im Büro des Abteilungsleiters und als Bürostuhl am Computerarbeitsplatz.

Nicht zuletzt kommen Freischwinger aber auch im privaten Bereich zum Einsatz, z.B. als Gartenstuhl oder Terrassenstuhl: Einzige Voraussetzung dafür ist, dass er aus witterungsbeständigem Material besteht. Und schließlich kann man sich einen Freischwinger-Sessel mit üppiger Polsterung und edlem Kunstlederbezug auch als Fernsehsessel oder Relaxsessel ins heimische Wohnzimmer stellen.

Schwarze Freischwinger stehen in den Augen vieler Menschen für Solidität, Verlässlichkeit und hohe Qualitätsansprüche. Solche Schwingstühle eignen sich also z.B. hervorragend für die Bestuhlung in großen Unternehmen.

Weiße Schwingstühle werden hingegen gern im Wartebereich von Arztpraxen und Krankenhäusern eingesetzt, weil sie zum einen den Eindruck von Hygiene und Sauberkeit noch verstärken, zum anderen aber auch für ein helles und freundliches Ambiente sorgen, wenn sie in einem lichtdurchfluteten Raum stehen – dann fehlen nur noch ein paar Grünpflanzen im Raum, und die entspannende Atmosphäre ist perfekt. Schließlich ist das Warten auf die Behandlung schon stressig genug, da möchte man eben wenigstens bequem sitzen.